Statine werden häufig zur Bekämpfung von Cholesterin eingesetzt und können unerwartete Vorteile haben. Diese Medikamente sollen bestimmte Krebsarten, insbesondere des Dickdarms, verhindern. Experten sehen jedoch vorerst davon ab, sie bei solchen Indikationen zu verschreiben. Weitere Studien sollten diese Eigenschaften bestätigen.

In Frankreich ist Dickdarm- und Mastdarmkrebs die häufigste Krebsart. Jedes Jahr werden 36.000 neue Fälle identifiziert und 16.000 Todesfälle werden darauf zurückgeführt. Angesichts dieser Geißel deutet eine neue Studie darauf hin, dass cholesterinsenkende Medikamente eine präventive Wirkung haben könnten.

Eine 50%ige Reduzierung des Krebsrisikos?

Cancer côlon statines

Die Statine sind die neuesten Anti-Cholesterin-Behandlungen und gehören zu den wichtigsten medizinischen Innovationen der letzten Jahre. Aber neben der vorbeugenden Wirkung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen glauben Krebsexperten, dass diese Medikamente das Fortschreiten bestimmter Krebsarten hemmen könnten. Um das herauszufinden, führten Dr. Stephen Gruber und seine Kollegen von der University of Michigan und dem israelischen National Cancer Center eine große Studie durch, die 2004 auf der Konferenz der American Society of Clinical Oncology (Asco) vorgestellt wurde.

Wissenschaftler verglichen die Essgewohnheiten, die Familienanamnese von Krebs, körperliche Aktivität und Medikationsgewohnheiten von 1.608 Darmkrebspatienten und 1.734 gesunden Menschen mit den gleichen allgemeinen Merkmalen (Alter, Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit). Unter den 267 Statinkonsumenten seit mindestens 5 Jahren wurde eine 50%ige Abnahme des Darmkrebsrisikos beobachtet.

Diese erstaunliche Verringerung bleibt unverändert, nachdem sie an Alter, hohe Cholesterinwerte, Aspirinkonsum oder spezifische genetische Faktoren angepasst wurde. Die Forscher konnten zeigen, dass die präventive Wirkung nicht nur mit einer Senkung des Cholesterinspiegels verbunden ist, die anderen Anti-Cholesterin-Medikamente ( lipidsenkend ) bieten keinen Schutz vor Dickdarmkrebs.

Im Moment kein Rezept

Diese Ergebnisse seien sehr ermutigend, sagt Dr. Gruber, aber es sei noch zu früh, um Statine zur Vorbeugung von Darmkrebs zu empfehlen. Eine weitere Studie, die noch auf dem Kongress von Asco 2004 vorgestellt wurde, sprach sich für eine schützende Wirkung dieser Medikamente gegen Prostatakrebs aus.

Es ist jedoch zu beachten, dass diese beiden retrospektiven Studien auf der Anamnese von Patienten basieren, nachdem die Diagnose gestellt wurde, die verwertbaren Informationen somit direkt mit ihren Erinnerungen verknüpft sind. Schließlich können die beiden Gruppen (Patientengruppe und Gruppe der Gesunden) nicht vollständig identisch sein. So viele Vorurteile, die manchmal zu falschen Schlussfolgerungen führen können: Auf der Grundlage ähnlicher Studien werden seit langem Hormonersatzbehandlungen verschrieben, um das kardiovaskuläre Risiko zu reduzieren, während sie es tendenziell erhöhen. Auch die präventive Wirkung von Statinen auf Krebs hat bisher zu kontroversen Ergebnissen geführt.

Nur prospektive Studien (mit Blick auf die Zukunft der Patienten) mit größeren Zahlen über mehrere Jahre werden eine definitive Antwort geben können. Diese zukünftige Arbeit sollte auch Gewissheit geben, dass der erwartete Nutzen die Risiken von Nebenwirkungen dieser Medikamente überwiegt.

Der beste Weg, um Darmkrebs zu verhindern, ist derzeit die regelmäßige Vorsorge. Der Nachweis von Polypen (gutartige Präkanzerosen) oder frühen Krankheitsstadien ermöglicht in den allermeisten Fällen eine wirksame Behandlung.