Zwischen 12 und 13% der Weltbevölkerung sollen von einer spezifischen Phobie betroffen sein, die übermäßige Angst verursacht. Die kognitive Verhaltenstherapie ist bis heute die von Psychologen am häufigsten eingesetzte Behandlungsmethode. Die in den letzten zehn Jahren durchgeführten Arbeiten haben jedoch die Wirksamkeit der virtuellen Realität bei der Verringerung der Angst von phobischen Patienten gezeigt. Auch mobile Anwendungen wurden von diesem Konzept inspiriert. Update mit Stéphane Bouchard, Psychologe mit Spezialisierung auf Cyberpsychologie.

Es gibt mehr oder weniger wichtige Phobien. Die meisten phobischen Patienten meinen, dass es nicht notwendig ist, einen Psychologen zu konsultieren, wenn das Objekt der Phobie vermieden werden kann. Für diejenigen, bei denen die Phobie täglich allgegenwärtig wird, gibt es die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Diese besteht darin, den Patienten schrittweise durch Worte und konkrete Situationen seinen Ängsten auszusetzen. Die Behandlung dauert 6 bis 8 Wochen und ist zu 90% wirksam. Studien von Prof. Stéphane Bouchard, Inhaber des Canada Research Chair in Cyberpsychology, haben jedoch in den letzten zehn Jahren gezeigt, dass die Kombination klassischer kognitiver Therapie mit der Verwendung eines Virtual-Reality-Headsets zu besseren Ergebnissen und schnelleren Ergebnissen führt.

Virtuelle Realität: das gesamte Sichtfeld durch Reize blockiert

phobie avion

Ausgestattet mit Helm, Brille und Ortungssensor wird der Phobiepatient mit dem Objekt seiner Phobie konfrontiert. Sein ganzes Blickfeld ist in eine virtuelle Welt eingetaucht, die keinen Bezug mehr zur Realität hat. Er wird zum Akteur einer anderen dreidimensionalen Welt, die sich je nach Kopf- und Körperbewegung auf natürliche Weise verändert. „ Virtuelle Realität gibt dem Psychologen mehr Kontrolle darüber, was er mit seinem Patienten macht. Das progressive Eintauchen, das durch die virtuelle Realität ermöglicht wird, ist weniger gewalttätig, als wenn der Patient einer echten Spinne oder einem echten Flugzeugflug ausgesetzt wäre“, erklärt Professor Stephane Bouchard.

Derzeit ist die virtuelle Realität noch sehr visuell, aber in laufenden Studien wird an Nachbildungen von Situationen gearbeitet, in die Sound, taktile Elemente und sogar Gerüche integriert sind.

Die Phobia Free App, um Ihre Angst vor Spinnen zu zähmen

Jeder kann Virtual Reality zu Hause mit verschiedenen mobilen Anwendungen testen, die bereits auf Smartphones verfügbar sind. So ermöglicht die Mobilanwendung Phobia Free- (im Apple Store erhältlich) Spinnenphobies, ihre Angst vor Spinnen zu zähmen. Die App wurde vom britischen National Health Service (das Äquivalent unserer Sozialversicherung in Großbritannien) validiert und kommt in Form einer niedlichen Geschichte. Itsy ist eine Spinne, die zu Beginn der Erfahrung nicht wirklich wie eine Spinne aussieht, sondern eher ein sympathischer Charakter. Der Benutzer der Anwendung filmt seine Umgebung mit seinem Smartphone oder Tablet, während auf dem Bildschirm Itsy erscheint. Die virtuelle Spinne wird dem Film in Echtzeit hinzugefügt und kann in Ihrer Hand, auf Ihrem Bein oder auf jedem Gegenstand um Sie herum herumkriechen. Dies nennt man Augmented Reality. Nach und nach weicht die hübsche Itsy einer immer realistischer werdenden Spinne, die am Ende der Behandlung wie eine überlebensgroße Vogelspinne aussieht.

Phobia Free wurde von fast 5.000 Menschen verwendet und ist derzeit Gegenstand mehrerer Studien zur Bewertung seiner Wirksamkeit. Andere Anwendungen zur Bekämpfung sehr verbreiteter Phobien wie Aerophobie (Flugangst) oder Klaustrophobie befinden sich noch im Prototypenstadium, sollen aber schon bald auf Online-Plattformen verfügbar sein.

Die Grenzen des Google Cardboards

Inspiriert vom Oculus Rift Virtual-Reality-Headset (für die breite Öffentlichkeit seit 2016 erhältlich), ist das Google Cardboard ein kostengünstiges Headset zum Selbermachen und Verwenden mit einem Smartphone. Dies ist ein Bausatz, der mit Karton, zwei Linsen, einem Gummiband, einem Magneten und einem Klettverschluss geliefert wird. Ist der Karton erst einmal in ein Virtual-Reality-Headset verwandelt, müssen Sie nur noch Ihr Smartphone hineinstecken und wie eine Brille auf die Nase setzen. Aber laut Professor Bouchard ist das Objekt nicht sehr ergonomisch und verdient es, weiterentwickelt zu werden: "Dieses Headset ist nicht angenehm zu tragen, aber diese Erfindung deutet auf großartige Innovationen in der Virtual-Reality-Software hin. Und sie sollten sehr schnell ankommen.".

Ist Virtual Reality auf Dauer effektiv?

Die Ergebnisse einer Studie von Prof. Bouchard aus dem Jahr 2010 an arachnophoben Patienten zeigen, dass virtuelle Realität zu 80 % effektiv ist, fast so viel wie CBTs, die in 90 % der Fälle wirksam sind.

Auch wenn uns die Perspektive für dieses neue Konzept noch fehlt, hat die Arbeit von Professor Bouchard bewiesen, dass virtuelle Realität auch drei Jahre nach Behandlungsende im Kampf gegen Phobien wirksam ist. „ Patienten, die ich wegen einer viszeralen Flugangst begleitet hatte, nahmen das Flugzeug auch nach sehr schweren Flugzeugabstürzen weiter “, sagt Professor Bouchard.

Vorsicht vor Cybermalaise

Virtual Reality hat jedoch ihre Grenzen. Von den mit Virtual Reality behandelten Patienten seien 10 % Opfer von Cyberbedrohungen, sagt Professor Bouchard. "Manche Menschen empfinden während oder nach einem Eintauchen in die virtuelle Realität Unbehagen. Diese Unbehagen manifestieren sich normalerweise bei Menschen, die bereits anfällig für Reisekrankheit sind." Die Cybermalaise wird durch eine Lücke zwischen den durch den Sinn und das Gleichgewicht wahrgenommenen Körperbewegungen und den durch das Sehen wahrgenommenen erklärt.

Während die Hardware, die benötigt wird, um einen Patienten in eine Virtual-Reality-Situation zu versetzen, billiger ist als noch vor einigen Jahren, sind die Kosten für Software immer noch unerschwinglich. „Die virtuelle Realität wird von Psychologen eingesetzt. Sie ist derzeit nicht für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Aber das wird nicht lange dauern“, schließt Stéphane Bouchard.