Kaffee ist Gegenstand vieler wissenschaftlicher Forschungen und Kontroversen. Obwohl seine Auswirkungen auf das Gehirn bekannt sind, werden seine Auswirkungen auf den Schlaf oder auf bestimmte Krankheiten noch untersucht. Astrid Nehlig, Forschungsdirektorin des Nationalen Instituts für Gesundheit und medizinische Forschung (Inserm) in Straßburg, verrät die Geheimnisse, die in unserer Tasse verborgen sind...

Was sind die wichtigsten Auswirkungen von Kaffee auf das Gehirn?

La vérité sur le café

Astrid Nehlig: Es gibt zwei Hauptwirkungsarten von Kaffee, je nach Konsum. Bei geringer Dosierung (ein bis zwei Tassen auf einmal, zum Beispiel beim Frühstück) gibt es positive Effekte. Es kommt somit zu einer Steigerung der Wachsamkeit, des Wohlbefindens, der guten Laune, der Dynamik, der besseren Konzentration... Bei höheren Konzentrationen (von 4 bis 8 Tassen in einer Einnahme) hingegen sind die Effekte negativ sind: Angstzustände, Zittern, Reizungen, erhöhte Herzfrequenz oder sogar Verdauungsprobleme. Außerdem variiert die Dauer dieser Einwirkungen auf das Gehirn von Individuum zu Individuum enorm. Im Durchschnitt sind die Auswirkungen drei bis vier Stunden lang spürbar. Aber es hält weniger für einen Raucher und mehr zum Beispiel für eine schwangere Frau. Von möglichen Arzneimittelinteraktionen ganz zu schweigen.

Ist Kaffee ein Feind friedlicher Nächte, wenn es um die Auswirkungen auf den Schlaf geht?

Astrid Nehlig: bewirkt längere Eine Tasse Kaffee (ca. 100 mg Koffein) eine Latenz vor dem Einschlafen. Der Trinker wird länger brauchen, um Morpheus' Arme zu finden. Kaffee hat aber auch einen Einfluss auf die Schlafqualität. Es wirkt sich negativ auf den Tiefschlaf aus. Dieser Effekt hängt nicht nur vom Kaffeekonsum am Abend ab, sondern vom Konsum über den Tag. Dies bedeutet nicht, dass Sie die kleine Tasse vor dem Zubettgehen verbieten sollten. Es hängt von jedem ab und insbesondere von den Ritualen des Einschlafens.

Kann Kaffee wie Drogen süchtig machen?

Astrid Nehlig: Es stimmt, dass viele Leute klagen, dass sie nicht aufhören können, Kaffee zu trinken. Auf molekularer Ebene gibt es meiner Meinung nach keine Abhängigkeit. Drogen wie Kokain oder Morphin aktivieren bestimmte Strukturen im Gehirn. Aber Koffein aktiviert sie nicht. Sicherlich können wir in sehr wenigen Fällen bei einem plötzlichen Stopp eine Art Entzugssyndrom sehen: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit... Aber auch hier verschwinden die Symptome in weniger als 3 Tagen und haben nichts in häufig mit der Wirkung von Medikamenten. Außerdem macht Kaffee nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation nicht süchtig. In Wirklichkeit kann man eher von einem „verstärkenden“ Effekt sprechen: Kaffee bewirkt durch angenehme Empfindungen einen regelmäßigen Konsum. Es ist in der Tat eine Gewohnheit, die mit einem Vergnügen verbunden ist. Wir können auch Umweltfaktoren wie Stress verantwortlich machen, die zum Kaffeekonsum führen.

Ist Kaffee für Schwangere nicht zu empfehlen?

Astrid Nehlig: Mehrere epidemiologische Untersuchungen haben einen Zusammenhang zwischen dem Kaffeekonsum und dem Risiko eines Spontanaborts oder dem geringen Geburtsgewicht des Babys unterstrichen. Aber diese Daten bleiben umstritten. Andere Forscher sprechen von einem Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum vor der Geburt und Epilepsie. Aber in dieser Sache ist nichts bewiesen und es wurden keine klinischen Beobachtungen gemacht. In jedem Fall ist es wichtig, den Kaffeekonsum während der Schwangerschaft zu reduzieren. Denn während des dritten Trimesters wird die Wirkung von Kaffee mit zwei oder drei multipliziert. Außerdem kann das Baby bei der Geburt kein Koffein loswerden. Deshalb wird oft beobachtet, dass bei Müttern, die viel Kaffee trinken, Kinder bei der Geburt aufgeregter sind und viel weinen. Bei Schwangeren sollte der Verzehr daher ein bis drei Tassen pro Tag nicht überschreiten.

Wir sprechen oft über die positive Rolle von Kaffee bei bestimmten Krankheiten. Was ist es?

Astrid Nehlig: Mehrere Studien haben gezeigt, dass ausreichend hoher Kaffeekonsum (5 bis 6 Tassen pro Tag) vor der Parkinson-Krankheit schützt oder ihren Ausbruch verzögert. Aber wir kennen den genauen Mechanismus dieses Phänomens nicht. Manche Forscher sprechen sogar von einem umgekehrten Zusammenhang: Die Parkinson-Krankheit könnte im Frühstadium zu einem Geschmacksverlust beim Kaffee führen. Das würde erklären, warum wir unter den Kranken weniger Kaffeetrinker finden!

Bei Dickdarmkrebs scheint die protektive Wirkung nachgewiesen zu sein, vielleicht auch bei der Brust. Bei Blasenkrebs sind die Ergebnisse widersprüchlich. Alte Studien schreiben Kaffee sogar eine Rolle bei der Entstehung dieser Tumorart zu. Aber auch dies kann eine Voreingenommenheit sein. Tatsächlich trinken die Menschen in der aktiven Phase der Krankheit ohnehin viel mehr. Zu den am häufigsten konsumierten Getränken gehört Kaffee...

Und was ist mit den negativen Auswirkungen dieses Getränks?

Astrid Nehlig: Wir haben Kaffeekonsum schon lange mit Osteoporose in Verbindung gebracht. Aber die neuesten Studien zeigen, dass es keinen Zusammenhang gibt. Ebenso würden Herz-Kreislauf-Probleme wie Angina pectoris oder Herzinfarkte nicht zunehmen. Auch bei Menschen mit Herzproblemen ist mäßiges Trinken kein Problem. Die einzige nachgewiesene Wirkung ist ein sehr geringer Blutdruckanstieg, der schnell nachlässt. Natürlich beziehen sich diese Daten auf Personen, die einen angemessenen Kaffeekonsum haben, also nicht mehr als fünf Tassen pro Tag.

Was ist mit den Problemen des erhöhten Cholesterinspiegels, die mit dem Kaffeetrinken verbunden sind?

Astrid Nehlig: Kaffee enthält tatsächlich Lipide, die mit erhöhtem Cholesterinspiegel in Verbindung gebracht werden. Das Problem entsteht aber nur, wenn man den Kaffee wie bei unseren Großeltern zubereitet oder auf skandinavische Art: indem man heißes Wasser über den gemahlenen Kaffee gießt. Denn bei Filterkaffee oder Espresso bleiben die Lipide zurück und gelangen nicht in Ihre Tasse. Sicherlich kann das Problem bei der Mode für manuelle Druckkaffeemaschinen wieder auftreten. Aber wenn der Konsum moderat bleibt, ist es nicht sehr gefährlich. Außer vielleicht, wenn Sie eine Diät machen...