Beim Sex haben nicht alle Frauen die Möglichkeit, über die Verwendung von Kondomen zu verhandeln. Für sie kann die Hoffnung in der Entwicklung von Mikrobiziden liegen. Nach Jahren des Scheiterns zeigt eine auf der internationalen Konferenz in Wien vorgestellte Studie endlich positive Ergebnisse.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Mikrobiziden:

- Mikrobizide der ersten Generation bilden eine physische Barriere gegen HIV oder verändern die Vaginalchemie, um das Infektionsrisiko zu verringern.

- Mikrobizide der zweiten Generation sind Produkte mit spezifischer Wirkung gegen HIV, die insbesondere antiretrovirale Mittel verwenden.

Wenn erstere bisher keine guten Ergebnisse erzielt haben (manche haben sich sogar als erwiesen, eher schädlich als nützlich weil sie die Schleimhäute schwächten und so das Eindringen des Virus in den Körper begünstigten), wecken die zweiten noch viel. Und in diesem Jahr sorgt eine Studie über ein Mikrobizid mit einem antiretroviralen Wirkstoff (Tenofovir unter dem Namen Viread ®) in einer Konzentration von 1% für Furore.

caprisa

Pressekonferenz zur Vorstellung der Caprisa-Studie

Die 2007 gestartete Studie Caprisa 004 umfasste 889 südafrikanische Frauen im Alter von 18 bis 40 Jahren, die derzeit HIV-negativ, aber sexuell aktiv sind und ein hohes Risiko haben, HIV-positiv zu werden. 445 Frauen erhielten ein Gel mit antiretrovialem und 444 ein Gel ohne Produkt. Alle mussten 12 Stunden vor dem Sex eine Dosis Gel und eine zweite innerhalb von 12 Stunden nach dem Sex verwenden. Jede Frau wurde 30 Monate lang jeden Monat nachbeobachtet und über die Anwendung des Gels, aber auch über Präventionstipps bezüglich des Kondoms und ihres Sexuallebens beraten. Ergebnis: Die HIV-Inzidenz war bei den Frauen, die das Gel gewissenhaft verwendeten, um 54 % niedriger, bei den Frauen, die es mäßig verwendeten, um 38 % niedriger und bei den Frauen, die es schlecht verwendeten, um 28 % niedriger (weniger als jedes zweite Mal). Bonus: Dieses Gel wirkt auch gegen Herpes, indem es das Infektionsrisiko um 51 % senkt nachgewiesen wurde, scheinen diese beiden Präventivmaßnahmen unabhängig voneinander zu sein).

Ein auf der Internationalen AIDS-Konferenz vorgestelltes Screening schätzt, dass die Verwendung eines 40-50% wirksamen mikrobiziden Gels gemäß seiner Verbreitung in der Bevölkerung in den nächsten 10 Jahren 271.000 bis 602.000 neue HIV-Infektionen in Südafrika verhindern könnte.

 

Obwohl mäßig verpackt, gibt der Verein AIDES auch an: "Das Gel ist nicht empfängnisverhütend. Es kann sich also bei der Durchführung eines Elternprojekts schützen. Andererseits kann es nicht als Planungsinstrument gefördert werden" (...) "Die Die Verwendung eines mikrobiziden Gels, kombiniert mit einer perfekten Kontrolle der Viruslast des seropositiven Partners, könnte einen echten Fortschritt für die Lebensqualität von serodiskordanten Paaren darstellen.

Einige Fragen bleiben jedoch unbeantwortet: Warum waren einige Frauen trotz der Anwendung des Tenofovir-Gels betroffen? Wie kann man die Adhärenz bei dieser Art der Behandlung verbessern? Sind die präventiven Maßnahmen gegen Herpes und HIV wirklich unabhängig oder wirken sie synergetisch? dazu in der Lage.

Trotz dieser Unbekannten wurden diese Ergebnisse mit Begeisterung aufgenommen. „Wir begrüßen die Ergebnisse der Caprisa-Studie herzlich. Jeder neue Fortschritt in der HIV-Prävention, insbesondere für Frauen, ist sehr spannend. Wir freuen uns, dass diese Ergebnisse bestätigt werden Ländern und Partnern, um den Zugang zu diesen Produkten zu beschleunigen", sagte Dr. Margaret Chan, Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation. Die Hälfte der mit HIV lebenden Menschen sind Frauen. In Afrika südlich der Sahara sind sie sogar noch häufiger infiziert als Männer. Um schnell reagieren zu können, kündigen WHO und UNAIDS eine bevorstehende Expertenkonsultation im August in Südafrika an, um die Zukunft dieses Produkts zu diskutieren.

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Foto: ©IAS/Steve Forrest/Arbeiterfotos

Quellen: - "Sagen die Tenofovir-Konzentrationen im systemischen und genitalen Trakt eine Vorhersage der HIV-Serokonversion in der Tenofovir-Gel-Studie CAPRISA 004?" - Abstract-Nummer: TUSS0503 - Aids 2010 - (en ligne barrierefrei)

- "Sicherheit von 1% Tenofovir vaginalem Mikrobizid-Gel bei südafrikanischen Frauen: Ergebnisse der CAPRISA 004-Studie" - Zusammenfassung: TUSS0504 - (accessible en ligne)

- Auswirkung von Tenofovir-Gel auf die HIV-Epidemie in Südafrika: Ein mathematisches Modell zur Schätzung der Wirkung der Ergebnisse der CAPRISA 004-Mikrobizid-Studie - Abstract-Nummer: LBPE27 - (en ligne zugänglich)

- "Wirksamkeit und Sicherheit von Tenofovir Gel, einem antiretroviralen Mikrobizid, zur Prävention der HIV-Infektion bei Frauen" - Wissenschaft - 19. Juli 2010 - (en ligne zugänglich)