Trotz einer Reihe von angebotenen Behandlungen befinden sich viele inkontinente Menschen in einer therapeutischen Sackgasse. Eine neue Lösung könnte ihr Leben radikal verändern und diese behindernden Harnaustritte vergessen lassen: der Blasenschrittmacher!

incontinence pacemaker

„Manche inkontinente Menschen berücksichtigen ihre Reisen nicht mehr aufgrund der Nähe der Toiletten, die ihren Weg säumen“, erklärt Prof. Emmanuel Chartier-Kastler von der urologischen Abteilung der Pitié Salpetrière. Der Kontrollmechanismus des Urinierens umfasst das Nervensystem, das die Entspannung und Schließung des Harnsphinkters und die Kontraktion des Blasenmuskels für die Entleerung des Urins steuert. Wenn Anomalien auftreten, bei bestimmten Pathologien oder nach einem Trauma, hat der Patient keine Kontrolle mehr. Dies ist, wenn Harnverlust auftritt.

Eine Vielzahl von Behandlungen

Es gibt viele Behandlungen, ob medikamentös oder chirurgisch – durch Vergrößerung des Blasenvolumens durch Entfernung eines Teils des Darms (Enterozystoplastik) oder auf viel weniger invasive Weise mit dem TVT (Tension-free Vaginal Tape). Trotz dieser breiten Palette von Lösungen bleiben einige Patienten im Behandlungsversagen.

Aber die Rettung könnte aus der Neuromodulation der heiligen Nervenwurzeln kommen, ähnlich einem Inkontinenzschrittmacher. Diese Technik wird nicht als Erstlinienbehandlung angeboten. Es ist angezeigt, wenn die Medikamente schlecht vertragen werden und Nebenwirkungen verursachen, die die Lebensqualität der Patienten zu stark beeinträchtigen.

Stimulieren empfindliche Fasern

Die Neuromodulation der heiligen Nervenwurzeln ist in Frankreich für potenziell 9.000 Menschen gedacht, die an Inkontinenz oder Drang leiden, also einen unbändigen Harndrang haben. Bei dieser Technik wird eine mit einer Batterie verbundene Elektrode am Kreuzbein im unteren Rücken in der Nähe des Sakralnervs befestigt. Elektrische Impulse von weniger als 2 Volt wirken auf die Nerven, die die Blase steuern.

Diese elektrische Reizschwelle der sensorischen Fasern ist niedriger als die der motorischen Fasern und verursacht keine Beschwerden. Patienten verspüren allenfalls ein leichtes Kribbeln, bei Frauen in den großen Schamlippen und bei Männern im Schleimbeutel. Die Stromstärke bleibt dem Patienten überlassen, der sie den Umständen entsprechend variieren kann.

Zehntausende Patienten behandelt

Eine vorläufige klinische und urodynamische Beurteilung ermöglicht es, das gute Profil des Patienten sicherzustellen. Anschließend wird ein 3- bis 5-tägiger Test mit einem temporären Gerät durchgeführt. Lediglich die Elektrode wird unter örtlicher Betäubung unter die Haut implantiert, wobei das Gehäuse auf die Haut des Patienten geklebt wird. Um die Wirksamkeit der Therapie messen zu können, muss der Kandidat auf einem Sammelbogen die Anzahl der getrunkenen Getränke, die Häufigkeit und das Volumen des Wasserlassens stündlich sowie die Bedeutung der Unfälle vermerken. Die Anmerkungen werden eine Woche nach Entfernung des Schrittmachers fortgesetzt. Der Test gilt als schlüssig, wenn die Besserung der Symptome 50 % überschreitet.

Dank der Verwendung eines perkutanen Implantats kann die Implantatinsertion nun unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Diese Pose reduziert nicht nur die mit der Vollnarkose verbundenen Risiken, sondern auch die Operationszeit sowie die Erholungszeit des Patienten. Der Hautschnitt von 0,5 mm induziert tatsächlich nur ein geringes Muskeltrauma. Ein weiterer Vorteil: Erhalten einer empfindlichen Reaktion während der Implantationsphase der Elektrode, die bei der optimalen Positionierung der Elektrode hilft. Das Ende der Elektrode wird mit dem Interstim® Neuromodulator verbunden, der selbst subkutan in Höhe des Gesäßes oder des Bauches implantiert wird. Dieses Gerät gibt dann kontinuierlich schmerzlose elektrische Impulse ab, um die Kontrolle über die Blasenentleerung wiederherzustellen. Das System hat auch den Vorteil, bei Bedarf immer reversibel zu sein. Der „Blasenschrittmacher“ kann 5 bis 7 Jahre betrieben werden, also bis die Batterie verbraucht ist, die unter örtlicher Betäubung ausgetauscht wird.

Für Professor E. Chartier-Kastler: „Dieses elektrische Gerät, minimalinvasiv und vollständig reversibel, profitiert von einem ganz neuen Vorteil, einer Art Sicherheitsnetz. Wir können seine Wirksamkeit zwar schon vor der Implantation beurteilen oder auf ihn verzichten, wenn der Test nicht schlüssig ist.“ Es gibt keine vergleichbare Behandlung in der Chirurgie, die im Vorfeld durch einen reversiblen und nicht-traumatischen Test beurteilt werden kann, bevor man sich für die Operation entscheidet oder nicht. Heute können alle Krankenhäuser und Kliniken diesen seit 2002 von der Sozialversicherung erstatteten Eingriff praktizieren. Ein definitiver therapeutischer Fortschritt für Patienten mit Therapieversagen.