Wir bewegen uns nicht genug! Ja, mehr als 2/3 der Franzosen sind sesshaft... Jeder kann sich jedoch im täglichen Leben wieder sportlich betätigen! Dies ist eines der Ziele von Dr. Jean-Michel Borys, Endokrinologe und Koordinator der Kampagne "Gemeinsam, Fettleibigkeit bei Kindern verhindern", die in mehreren französischen Städten gestartet wurde. Er verrät uns die Schlüssel zum Erarbeiten... ohne Zwang!

Ist Bewegungsmangel für die Zunahme von Übergewicht und Adipositas verantwortlich?

Sédentarité obésité

Dr. Borys: Zunächst muss man zwei Dinge unterscheiden: körperliche Aktivität und Bewegungsmangel. Sie können sportlich und bewegungsarm sein! Dies ist auch in unserer Gesellschaft ein immer stärkerer Trend. Nehmen Sie das Beispiel der Führungskraft, die zwei Stunden Tennis oder Schwimmen pro Woche macht und sich außerdem absolut nicht bewegt! Umgekehrt können wir jemanden haben, der keinen Sport treibt, sondern ständig rechts oder links läuft!

In Bezug auf Übergewicht und Fettleibigkeit ist das Problem tatsächlich das der sitzenden Lebensweise: 2/3 der Franzosen sind sesshaft, dh sie machen weniger als eine halbe Stunde zügiges Gehen pro Tag. Es ist interessant zu sehen, dass sich das Verhältnis zwischen Land und Stadt umgekehrt hat. Früher war das Leben auf dem Land untrennbar mit einem Lebensstil verbunden, der auf körperlicher Arbeit beruhte und im Gegensatz zum Stadtleben stand. Städter sind heute ständig unterwegs, um öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder ihre Einkäufe zu erledigen. Während wir auf dem Land sind, nehmen wir unser Auto für die kleinste Fahrt.

Wie ist diese Zunahme der sitzenden Lebensweise zu erklären?

Dr. Borys: Wir verwenden einen Marker, der es uns ermöglicht, den Grad der sitzenden Lebensweise von Menschen zu erkennen: die Anzahl der Stunden, die vor dem Fernseher (oder allgemein vor einem Bildschirm) verbracht werden. Aber das ist nicht der einzige Faktor. Es gibt viele Veränderungen in unserer Lebensweise: Auto, Aufzug, automatische Türen... Und auch die allgemeine Entwicklung unserer Gesellschaft ist beteiligt. Wenn wir Familienmütter sehen, die ihr vierjähriges Kind weiterhin in einen Kinderwagen setzen, liegt das oft daran, dass sie nicht mehr die Muße haben, mit ihm in seinem eigenen Tempo spazieren zu gehen!

Sollten Sie Ihren Fernseher also wegwerfen?

Dr. Borys: Sie sollten das Fernsehen nicht dämonisieren. Dieses Medium ist sehr interessant. Das Problem ist die natürliche Tendenz, sie passiv anzusehen. Auch in den USA gibt es Programme, die jungen Menschen beim intelligenten Fernsehen helfen: Einschalten, um ein interessantes Programm zu sehen, und gleich danach wieder ausschalten. Ziel ist es, sich nicht hypnotisieren zu lassen und stundenlang mechanisch auf den kleinen Bildschirm zu schauen.

Welche körperliche Aktivität sollte mindestens ausgeübt werden?

Dr. Borys: Laut Weltgesundheitsorganisation ist es das Ziel, dass jeder mindestens eine halbe Stunde zügiges Gehen pro Tag erreicht. Dies ist auch die Empfehlung des National Health Nutrition Program. Denn wir wissen, dass diese einfache Verhaltensänderung nicht nur Fettleibigkeit, sondern auch anderen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, bestimmten Krebsarten und natürlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugt. Ganz zu schweigen von einer zunehmend dokumentierten positiven Wirkung auf das psychische Wohlbefinden. Regelmäßige körperliche Aktivität hilft Spannungen abzubauen und Stress abzubauen.

Sollen wir uns auch intensiv betätigen, Sport treiben?

Dr. Borys: Nein, es ist nicht "obligatorisch", eine nachhaltige Aktivität auszuüben, um in Form zu kommen. Es ist gut, Sport zu treiben, solange man es nicht übertreibt. Denn die Gefahr von Verletzungen oder vorzeitigem Verschleiß der Gelenke ist hoch. Außerdem sollten Sie keine Pausen- und Wiederaufnahmephasen abwechseln, die fast so schlimm sind wie Jojo-Diäten. Die Ausübung einer Sportart muss daher regelmäßig und nicht unbedingt intensiv sein! Nehmen wir an, zwei bis drei Stunden Sport pro Woche sind ein gutes Tempo.

Konkret auf die von der WHO gesetzten Ziele warten?

Dr. Borys: Zunächst einmal sollte man verstehen, dass man die halbe Stunde zügiges Gehen in den Tag einteilen kann! Und Sie müssen die kleinste Gelegenheit nutzen, sich zu bewegen: Treppen, Spaziergänge... All Ihre kleinen Anstrengungen sind unglaublich effektiv, sobald sie sich summieren. Wenn es um Kinder geht, müssen wir mit gutem Beispiel vorangehen: Wenn Eltern aktiv sind, sind es auch Kinder. Deshalb sollten Sie nicht zögern, spazieren zu gehen oder ins Schwimmbad zu gehen, wenn auch nur zum Spaß.

In Bezug auf die Jüngsten schlagen Sie innovative Ansätze im Programm "Gemeinsam, Adipositas bei Kindern verhindern" in 10 französischen Städten vor. Können Sie uns mehr erzählen, insbesondere zum Konzept der „aktiven Spiele“?

Dr. Borys: Die „aktiven Spiele“ begannen mit einer Beobachtung: Je älter ein Kind heute wird, desto weniger bewegt es sich in der Pause. Aber auch hier müssen wir das Mindestziel von einer halben Stunde zügigem Gehen pro Tag erreichen. Warum nicht die zwei Viertelstunden Pause nutzen? Mit Schulen haben wir vergessene Spiele neu erfunden! Hopse, Gendarmen und Diebe, schulübergreifende Herausforderungen... das Ziel ist nicht, Sport zu treiben, sondern den Jüngsten den Geschmack für diese Aktivitäten zurückzugeben. Wir versuchen auch, das Gehen zu fördern, indem wir die Kinder ermutigen, so oft wie möglich zur Schule zu gehen. So können sie von den Eltern bis zu einer Haltestelle begleitet werden, die der des Busses entspricht, wo sie ein Erwachsener zu Fuß zur Schule bringt.

Durch diese Art von Methode, durch die Einführung neuer Gewohnheiten, werden wir in der Lage sein, Übergewicht und Fettleibigkeit zu bekämpfen.

Im Rahmen der Fleurbaix-Laventie Healthy Cities Operation, einem weiteren Interventionsprogramm in zwei Städten im Norden, bieten Sie „Gesundheitscoaching“ an. Können Sie uns mehr erzählen?

Dr. Borys: Coaching hat außerordentliche Begeisterung geweckt. Es geht darum, jedem eine personalisierte Bewertung anzubieten, um die Probleme zu identifizieren. Anschließend werden angepasste Lösungen inklusive regelmäßiger Nachbetreuung, insbesondere telefonisch, angeboten. Um Menschen dabei zu helfen, ihre sitzende Lebensweise zu überwinden, bieten wir ihnen einen Fragebogen an, um ihre Motivation herauszufinden. Entweder sie wollen sich absolut nicht bewegen, oder sie bewegen sich nicht, sind aber offen für Veränderungen, oder sie möchten ihre körperliche Aktivität steigern, tun es aber nicht... Wir haben verschiedene Motivationsstufen, was das Rauchen angeht. Entsprechend diesem Intentionsgrad bieten wir Unterstützung an. Wenn Menschen bewegungsbereit sind, vermitteln wir sie an Vereine, Vereine... Wenn wir zum Beispiel drei Frauen haben, die spazieren gehen wollen, aber nicht alleine gehen wollen, vermitteln wir sie. Denjenigen, die noch unentschlossen sind, geben wir ihnen Kontakte, um zu versuchen, sich auf eine Veränderung vorzubereiten usw.

Welche Veränderungen könnte jede Kommune neben diesen Maßnahmen in Betracht ziehen, um den Menschen beim Umzug zu helfen?

Dr. Borys: Eines der ersten Probleme, die sie lösen können, ist die Stadtplanung. Neben der Bereitstellung von Sport- und Freiflächen für Outdoor-Aktivitäten muss die Stadt den Fußgängern zurückgegeben werden. Das bedeutet nicht, Autos hinterherzujagen, sondern bessere Beleuchtung, städtische Wege... Auch Kommunen und Sportvereine müssen sich weiterentwickeln, um mehr Freizeitmöglichkeiten anzubieten. Die Leute wollen nicht unbedingt alle zwei Workouts pro Woche und jedes Wochenende einen Wettkampf machen! Hauptsache, sie entdecken die Freude am Gehen und Bewegen wieder!