Ob weiblich oder männlich, die meisten sexuellen Störungen haben eine psychologische Komponente, die möglicherweise auf das physiologische Problem übertragen wurde. Die Behandlung einer Schwierigkeit darf daher keinen Aspekt davon vernachlässigen. Claire Gellman, Sexologin und Psychoanalytikerin, erklärt uns die Arbeit einer Praktikerin.

Hier sind zwei konkrete Beispiele, die Ihnen helfen, den Prozess der Sexualtherapie besser zu verstehen.

Henris vorzeitige Ejakulation

couple

Patricia und Henri beraten sich gemeinsam. Ihre Beziehung ist neu. Sie sind sehr verliebt, haben sich entschieden, nicht zu warten, um sich zu beraten, und sind sehr motiviert. Patricia ist eine beruhigende junge Frau, die ihre Gefährtin trotz ihrer sexuellen Bedenken nicht abwertet. Zu Beginn der Behandlung wird ihnen sexuelle Abstinenz angeboten und beide nehmen an Gesprächen mit dem Behandler teil. Henris vorzeitige Ejakulation ist mit starker Angst, Leistungsangst, verbunden. Um es herunterzuspielen, betont der Praktiker nicht den Leistungs- oder Erfolgsaspekt der sexuellen Beziehung, sondern einfach die Empfindungen und das Vergnügen, die Henri daraus nimmt. Er rät ihr, die Augen zu schließen, loszulassen, ohne an ihr Geschlecht, sondern nur an ihre Empfindungen zu denken. Gleichzeitig profitiert Henri von Entspannungssitzungen, um ihm beizubringen, wie man sich entspannt. Anschließend werden dem Paar praktische Techniken beigebracht. Henri muss, als er spürt, dass seine Erregung wächst, Patricia warnen, die dann mit den Fingern den Penisansatz drückt. Das Paar muss sich dann selbst trainieren, während der klassischen sexuellen Beziehungen eine begrenzte Anzahl von Quetschungen zu üben. Ihnen wird auch die Technik des "Stop and Go" (vor und zurück verlangsamen, um die sexuelle Erregung zu modulieren) vorgeschlagen. In insgesamt etwa zwanzig Sitzungen (über einige Monate) kontrolliert Henri seine Ejakulation immer besser und versteht, dass er nicht an Leistung, sondern vor allem an Lust und Beziehungen interessiert sein muss.

Sophies Vaginismus

Wenn Sophie und Laurent sich beraten, sind sie seit mehreren Jahren verheiratet. Sie bekommen keine Kinder, und das aus gutem Grund: Sophie lässt sich vom Geschlecht ihres Mannes nicht durchdringen, sie leidet an Vaginismus. Abgesehen davon ist ihre Liebe echt und ihr Sexualleben ziemlich reich. Mit ihnen wird ein Streichelprogramm zusammengestellt. Zuallererst muss das Paar (natürlich in der Privatsphäre) nicht-sexuelle körperliche Liebkosungen durchführen, mit der Hand dann mit Vermittlern (Öl, Talkum usw.); dann sexuelle Liebkosungen (die kein Problem darstellen); andererseits streichelt Sex gegen Sex: dort ist die Blockade offensichtlich und die Verwirklichung unmöglich.

Nach und nach muss der Praktiker Sophie helfen, ihr Geschlecht zu zähmen, und psychoanalytische Interviews werden ihr helfen, in ihre Kindheit zurückzukehren, um die Quelle ihrer Phobie zu finden, in diesem Fall ein ernsthaftes Inzestproblem. Die psychologische Nachsorge, die mit Kegel-Gymnastik und Entspannungssitzungen verbunden ist, ermöglicht es Sophie, Fortschritte zu machen und langsam zu beginnen, ihr Geschlecht zu akzeptieren. Eine neue Schwierigkeit entsteht, als wir entdecken, dass ihr Ehemann Laurent an Impotenz leidet, die angesichts des Vaginismus seiner Frau vorher nicht aufgedeckt werden konnte... Dies ist also eine doppelte Pathologie, und die Behandlung des Paares wird mehrere dauern Jahre. In der Praxis ist es durchaus üblich, zwei Partner behandeln zu müssen. Entweder, weil sie sich (vielleicht unbewusst) nach ihren Problemen ausgesucht haben, wie es bei Sophie und ihrem Mann der Fall ist, oder weil die Störung eines Partners eine Störung des anderen verursacht: eine Frau, die keine Lust hat, und a Mann, der zum Beispiel Erektionsschwierigkeiten oder vorzeitige Ejakulation hat.

Jede Sexualtherapie spricht daher die verbalen, körperlichen, imaginären und relationalen Bereiche an. In der klinischen Praxis gibt es so viele Fälle wie Patienten, und die Ursachen der Störungen erfordern immer die echte Beteiligung beider Partner und zumindest einen multidisziplinären Ansatz, der es jedem ermöglicht, sich anzupassen.