Die Standardbehandlung für Prostatakrebs bietet derzeit zwei Alternativen: die Prostataablation und die externe Strahlentherapie. Aber es kommen neue, weniger invasive Techniken zum Einsatz. Dazu gehört die Behandlung mit hochintensivem fokussiertem Ultraschall (HIFU). Wir haben Dr. Albert Gelet von der Abteilung für Urologie und Transplantation des Krankenhauses Edouard Herriot in Lyon interviewt.

Was ist das Prinzip der fokussierten Ultraschallbehandlung bei Prostatakrebs?

Les ultrasons focalisés

Dr. Albert Gelet: Die Technik basiert auf der Verwendung von Ultraschall, der von einer endorektalen Sonde emittiert und auf die Prostata fokussiert wird. So wie Sonnenlicht, das durch eine Lupe dringt, im Brennpunkt große Hitze entwickeln kann, kann Ultraschall, das durch verschiedene Gewebe geht, im Brennpunkt eine starke Hitze erzeugen (zwischen 80 und 100 ° C). Dieser Temperaturanstieg, der mit anderen gut kontrollierten physikalischen Phänomenen (Kavitation und Diffusion) verbunden ist, führt zur sofortigen und dauerhaften Zerstörung (Koagulationsnekrose) des Gewebes im Zielbereich.

Wer steckt hinter dieser neuen Technik?

Dr. Albert Gelet: Ein Forschungsprojekt wurde 1989 in Lyon dank der Zusammenarbeit des Nationalen Instituts für Gesundheit und medizinische Forschung (INSERM-Einheit 556), der Urologischen Abteilung des Krankenhauses Edouard Herriot und der Firma EDAP Technomed initiiert. Dieses Projekt führte im Januar 2000 zur europäischen Zulassung des Ablatherm-Geräts. Dieses Projekt wurde auch vom französischen Forschungsministerium finanziell unterstützt. Die Food and Drug Administration (FDA) hat auch eine Studie in mehreren Zentren in den USA genehmigt, um diese Behandlung bei Patienten nach Versagen einer externen Strahlentherapie anzuwenden.

Wie lange dauert die Behandlung?

Dr. Albert Gelet: Der Chirurg führt die Sonde in das Rektum des Patienten ein, nachdem er sie mit einem Ballon bedeckt hat, der eine Antikavitations-Kopplungsflüssigkeit enthält. Diese gekühlte Flüssigkeit ermöglicht es auch, die Temperatur der Rektalwand während der gesamten Dauer der Behandlung konstant zu halten. Der Chirurg lokalisiert die Grenzen der Prostata und definiert auf dem Kontrollbildschirm den Bereich, den er behandeln möchte. Danach kann die Behandlung beginnen (in der Regel werden 400 bis 600 Ultraschallaufnahmen durchgeführt, um das definierte Volumen zu behandeln). Jeder "Schuss" zerstört einen Gewebezylinder von 20 mm Länge und 2 mm Durchmesser. Die Behandlungsdauer hängt direkt von der Größe der Prostata ab. Eine kleine Prostata erfordert etwa 250 Spritzen, während eine große 700 bis 800 benötigt. Somit wird die Behandlung in einer einzigen Sitzung unter lokoregionärer Betäubung durchgeführt. Es kann zwischen 1 und 3 Stunden dauern.

Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?

Dr. Albert Gelet: Der Krankenhausaufenthalt ist sehr kurz. Der Patient kommt am Tag vor der Behandlung an, eine Verdauungsvorbereitung (wie bei einer Koloskopie) wird durchgeführt. Nach der eigentlichen Behandlung wird eine Sonde platziert. Es wird in der Regel zwei Tage nach der Sitzung entfernt und der Patient bleibt einen weiteren Tag zur Beobachtung. Insgesamt bleiben also noch fünf Nächte im Krankenhaus. Dann empfehlen wir ihm, zwei Monate, dann drei oder vier Monate nach der Behandlung zur Konsultation zurückzukehren. Nach dieser Zeit führen wir Folgebiopsien durch, die den Behandlungserfolg oder die Notwendigkeit einer erneuten Sitzung bestätigen (ca. 15 % der Patienten werden erneut behandelt).

Wie viele Patienten wurden mit dieser Technik behandelt? Für welche Indikationen?

Dr. Albert Gelet: Insgesamt haben 180 Krankenhäuser weltweit bereits 15.000 Patienten mit Ablatherm behandelt. In Europa gibt es vier Arten von Indikationen:

  • Als First-Line-Behandlung für Patienten, bei denen eine Operation nicht möglich ist: hauptsächlich Personen über 70 Jahre oder mit Begleiterkrankungen, die die Operation riskant oder unmöglich machen (extreme Fettleibigkeit, unzureichende Atmung, Herzschwäche)
  • Bei „schlechten Kandidaten“ für eine Operation, also wenn die Prostataerkrankung weit fortgeschritten ist und die Operation voraussichtlich nur bedingt wirksam ist oder wenn der Patient bereits mehrere Prostataeingriffe hinter sich hat und sich eine erneute Operation als gefährlich erweisen könnte
  • Für Patienten, die eine Operation aus Angst vor den Folgen ablehnen. Es kann dann möglich sein, nach der Ultraschallbehandlung auf eine Strahlentherapie zurückzugreifen und nicht umgekehrt.
  • Bei Lokalrezidiven nach Behandlung mit externer Strahlentherapie (Bestrahlung der Prostataregion). Ablatherm scheint die einzige wirksame Behandlung für diese Patienten zu sein. Tatsächlich wird bei 84 % der Patienten ein Ausbleiben einer Krankheitsprogression beobachtet.

Was sind die Vorteile dieser Behandlung gegenüber einer Operation (Prostatektomie) oder einer externen Strahlentherapie?

Dr. Albert Gelet: Diese Technik profitiert von 9 Jahren Nachbeobachtung, während die Operation mehr als 15 Jahre hat. Wir konkurrieren also nicht mit der Prostatektomie, sondern mit der externen Strahlentherapie. Die Vorteile dieser Technik gegenüber der Strahlentherapie sind hauptsächlich zweierlei Art:

  • Das Maß für die Wirksamkeit der Behandlung anhand des PSA-Spiegels (Blutdosis eines Markers für Prostataaktivität und das Auftreten von Krebs) kann bereits 3 Monate nach der Behandlung bekannt sein, verglichen mit 18 Monaten bei der Strahlentherapie
  • Die Behandlung ist erneuerbar. Wenn eine Kontrollbiopsie die Persistenz von Krebsgewebe zeigt, ist es im Gegensatz zur Strahlentherapie möglich, sechs Monate später eine neue Sitzung durchzuführen
  • Was die Nebenwirkungen betrifft, treten sie schließlich am Ende der Behandlung auf, anders als bei der externen Strahlentherapie, bei der die Komplikationen eher fortschreitend und verzögert sind.

Welche Komplikationen treten bei der Strahlentherapie und bei der Ultraschallbehandlung auf?

Dr. Albert Gelet: Bei der externen Strahlentherapie können die Komplikationen entzündliche (Proktitis, ein entzündlicher Prozess der Rektumschleimhaut), Darm-, Harn- und Sexualkomplikationen (Impotenz in 25 bis 50 % der Fälle) sein. Bei einer Ultraschallbehandlung kann bei 10-15% der Patienten eine Belastungsharninkontinenz auftreten (die meisten Patienten haben eine Inkontinenz vom Grad 1, d bei Patienten über 70 Jahren). Wir untersuchen derzeit diese Art von Nebenwirkungen bei jüngeren Männern, die mit Ultraschall behandelt werden.

Können Sie uns die Ergebnisse dieser Technik mitteilen?

Dr. Albert Gelet: Erstlinienkrebs Eine multizentrische Studie, die zwischen 1995 und 2000 an 402 Patienten an 6 europäischen Standorten durchgeführt wurde, zeigt bei 87% der Patienten, die als behandelt wurden, das Verschwinden von Krebsgewebe. Eine aktuelle Veröffentlichung in der renommierten Fachzeitschrift „Europen Urology“ bestätigt die Langzeitwirkung (86,4%) von Albatherm. In dieser europäischen Multicenterstudie (3 Krankenhäuser) wird die Nachbeobachtung von 140 Patienten teilweise auf 9 Jahre verlängert.

Und Albatherm in der Welt?

Dr. Albert Gelet: Ablatherm ist in 25 Ländern weltweit erhältlich und besonders stark in Deutschland, Italien, England vertreten, wo die Therapie erstattet wird. In den USA wird derzeit eine klinische Studie durchgeführt, die darauf abzielt, das FDA-Label zu erhalten, das die Vermarktung der Technologie bis 2011 genehmigt.

Die Behandlung mit hochintensivem fokussiertem Ultraschall (HIFU) hat sich seit den frühen 2000er Jahren stark entwickelt und stellt derzeit eine Alternative zur externen Strahlentherapie mit präziser Indikation dar, insbesondere bei Patienten über 70 Jahre und mit einer Lebenserwartung von mindestens 7 Jahren.