Europäische Forscher haben im Gehirn das Zentrum der Intelligenz lokalisiert. Diese jüngste Entdeckung stellt die These einer einzelnen Hirnregion, die speziell der Ausführung komplexer Aufgaben gewidmet ist, neu auf – dem berühmten g-Faktor, der 1904 vom englischen Psychologen Charles Spearman vorgeschlagen wurde. Aber diese Hypothese ist Gegenstand heftiger Debatten zwischen den Befürwortern einer genauen Lokalisierung und denen, die Intelligenz für ein diffuseres Phänomen halten.

Britische und deutsche Forscher glauben, eine Region des Gehirns lokalisiert zu haben, die besonders für die allgemeine Intelligenz verantwortlich ist. Diese Nachricht belebt die Debatte zwischen den Befürwortern eines einzigen Zentrums und denen einer diffusen Verwaltung der Intelligenz durch das zentrale Nervensystem.

Wie kann man graue Substanz demaskieren?

Der Positronen-Emissions-Scanner ist ein bildgebendes Verfahren des Gehirns, das verwendet wird, um die Blutversorgung von Bereichen des Gehirns zu lokalisieren. Damit werden die Bereiche hervorgehoben, in denen Neuronen bei einer bestimmten Aktivität besonders beansprucht werden. Erkennbar sind diese Bereiche an einer erhöhten Durchblutung, die bei Aktivität infolge eines erhöhten Energiebedarfs ansteigt.

1. Parietallappen 2. Frontallappen 3. Temporallappen 4. Kleinhirn 5. Okzipitallappen

Das Forscherteam filmte die Gehirne von Patienten, während sie Intelligenzquotienten (IQ) erhielten. Diese Tests werden von Forschern als besonders ansprechend für das Konzept der allgemeinen Intelligenz oder des g-Faktors beschrieben.

Im Gegensatz zu der Theorie, nach der die allgemeine Intelligenz das Ergebnis verschiedener kognitiver Funktionen ist, die von mehreren Gehirnregionen verwaltet werden, beobachteten die Forscher eine besondere Belastung eines bestimmten Bereichs der Seitenfläche des frontalen Kortex einer oder beider Hemisphären.

Die Debatte neu starten, anstatt sie zu beenden

Die eigentliche Frage ist also, ob die Intelligenz (oder genauer die Lösung komplexer Probleme) von einer ganz bestimmten Hirnregion oder von verschiedenen Regionen gesteuert wird. Die Existenz eines einzigen Zentrums der allgemeinen Intelligenz wurde erstmals 1904 vom englischen Psychologen Charles Spearman erwähnt. Man glaubte jedoch, dass diese Theorie des berühmten Faktors g gelebt habe und die Vision eines diffusen Intelligenzmanagements durch die Gehirn war damals in der wissenschaftlichen Gemeinschaft vorherrschend. Intelligenz wird als die Kombination verschiedener Anforderungen des Gehirns verstanden. Diese Theorie erscheint weniger simpel als die Ansicht, dass Intelligenz wie andere Funktionen irgendwo im Gehirn versteckt sein muss.

Somit könnte diese jüngste Entdeckung, wenn sie kein entscheidendes Element darstellt, eine Debatte neu anstoßen, die als abgeschlossen galt. Sie wartete jedoch nicht lange, bis ihre Reichweite von ihren Gegnern heruntergespielt wurde. So erinnert Robert J. Stenberg in der gleichen Ausgabe des renommierten Science-Magazins, die diese Forschung wiederholte, daran, dass die Messungen und die Lokalisierung der Intelligenz ebenso subjektiv sind wie die verwendeten Tests und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen. IQ-Tests können ihm zufolge einen so komplexen Begriff wie Intelligenz nicht erklären. Daher erscheint es sehr unklug, sagen zu können, dass wir die Intelligenz im Gehirn lokalisiert haben, indem wir die Bereiche des Gehirns identifizieren, die während der Durchführung eines angefordert IQ-Tests werden.

Zwischen Befürwortern einer möglichen Lokalisierung von Intelligenz im Gehirn und denen, für die diese Vorstellung verschiedene Bereiche des Zentralnervensystems in Anspruch nimmt, bleibt die Debatte offen und wird zweifellos Gegenstand vieler Wendungen und hitziger Diskussionen sein.