Biographie von René Arped Spitz

Der Psychiater und Psychoanalytiker ungarischer Herkunft René Arped Spitz wurde 1887 in Wien geboren und starb 1974 in Denver (Colorado). Er machte seine Karriere in den Vereinigten Staaten, wo er die Arbeit von Sigmund Freud fortsetzte. Sein Ansatz ist originell, da er psychoanalytische Konzepte mit traditionellen Methoden der psychologischen Untersuchung und der direkten Beobachtung (Babytests, fotografische und kinematografische Aufzeichnungen, "visuelle Köder" usw.) kombiniert.

Theorien von René Arped Spitz

Seine Forschung konzentrierte sich auf die Geburt des psychischen Lebens bei Säuglingen. Die von Spitz beschriebenen Stadien der psychischen Entwicklung stehen denen Piagets bezüglich der Intelligenzgenese sehr nahe. Seine Arbeit versöhnt eine Zeitlang Psychoanalyse und experimentelle Psychologie. Lediglich das Alter des Einsetzens dieser Stadien nach den beiden Autoren wurde von der modernen Forschung in Frage gestellt.

Überzeugt vom überwiegenden Einfluss der Umgebung auf das Wachstum des Kindes, untersuchte Spitz Säuglinge in Heimen und verglich zwei verschiedene Umgebungen. Eine war eine Gefängniskrippe, in der inhaftierte Mütter sich um ihre Babys kümmerten. Die zweite war eine Kinderkrippe, in der Kinder, die von ihren Müttern getrennt waren, Hygiene, Ernährung und medizinische Versorgung durch qualifiziertes Personal erhielten. Spitz war der erste, der von den Ergebnissen überrascht war. Die Entwicklung und der Gesundheitszustand der Säuglinge im „Gefängnis“ waren weitaus besser als in der Krippe, insbesondere wenn die Säuglinge vor der Unterbringung einige Monate bei ihren Müttern gelebt hatten. Diese Kinder verkümmerten sowohl physisch als auch intellektuell als Teil eines echten depressiven Syndroms. Dieser als "Hospitalismus" bezeichnete Zustand ist auf die frühzeitige Trennung von der Mutter und deren Nichtersetzung durch einen geeigneten "Ersatz" zurückzuführen. In der Tat, wenn die körperlichen Bedürfnisse von Babys erfüllt würden, könnten die zu wenigen Mitarbeiter ihre emotionalen und sozialen Wünsche nicht erfüllen.

Spitz zeigte damit die Bedeutung der anfänglichen intersubjektiven Beziehungen für die Entwicklung des Subjekts auf. Ausgehend von diesen Beobachtungen konzentrierte sich Spitz' Arbeit auf die "Konstruktion der Objektverbindung". Nach einer Zeit, in der das Neugeborene keinen Unterschied zwischen sich und seiner Umgebung macht, markiert das absichtliche Lächeln seiner Mutter ("erster psychischer Organisator") den Beginn der Anerkennung dieser Mutter als Objekt seiner Liebe. Dann beweist die Angst des achten Monats oder die "Angst vor dem Fremden" ("zweiter Organisator"), dass das Kind einen Unterschied zwischen seinen Verwandten und anderen macht. Schließlich bekräftigt sein erstes „Nein“ („dritter Organisator“) seine Identität vor anderen.

Das Präobjektstadium des Neugeborenen entspricht Freuds primärem narzisstischem Stadium. Das Neugeborene lebt in einem fusionierten Zustand. Sein Leben ist vegetativ. Er unterscheidet die ihn umgebende äußere Umgebung nicht von seiner eigenen Person. Er unterscheidet die Geräusche, die er produziert, nicht von denen, die er draußen hört. Diese verworrene Wahrnehmung, die sich nicht von den verschiedenen umgebenden Elementen unterscheidet, wird als "synkretisch" bezeichnet.

Aufgrund der Reifung seines Nervensystems und seiner Wahrnehmungsorgane macht er erst nach etwa 3 Monaten eine Unterscheidung. In der Tat macht es ihm in diesem Alter Spaß, zu twittern, weil er erkennt, dass er eine Macht über die Geräusche hat, die er aussendet, im Gegensatz zu denen, die von außen kommen. Das Baby nimmt die Welt nur zeitweise wahr, wenn es ruhig und motiviert ist. So hindert ihn zum Beispiel die Nervosität der Hungerschreie daran, die Brust oder das Fläschchen zu erkennen, wenn es ihm präsentiert wird. Außerdem erkennen Säuglinge das Nahrungssignal nur, wenn sie hungrig sind.

Motorische Aktivität ist global: Das sind archaische Reflexe. Der nyctemerale Rhythmus wird durch den Wechsel zwischen Hunger und Schlaf bestimmt. Zwischen der Mutter, von der er ganz abhängig ist, und ihm selbst besteht eine zirkuläre Einheit aus Austausch in beide Richtungen, eine sogenannte "Dyade", in der das tiefe mütterliche Leben das dominierende Element darstellt.

Ab 2 Monaten interessiert sich das Baby für das, was sich um ihn herum bewegt. Er verfolgt mit seinen Augen das menschliche Gesicht, das sich um ihn dreht. Der Säugling geht allmählich von der Wahrnehmung durch Kontakt zur Wahrnehmung aus der Ferne über.

Ab 3 Monaten erwirbt das Kind ein Gefühl der Erleichterung, des dreidimensionalen Raums. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, einen Abakus über dem Bett zu befestigen, damit das Baby gleichzeitig schauen, berühren und zuhören kann. Der Mund ist ein Mittel zur Wahrnehmung, Aufnahme und Erforschung. Das Kind bringt alles zum Mund, weil es für ihn ein Erkenntnismittel ist.

Die Vorstufe des Objekts oder der Reaktion durch das Lächeln entspricht der anaklitischen Stufe von Freud.

Lächeln ist das erste aktive, absichtliche Verhalten des Säuglings. Dieses freiwillige Lächeln richtet das Baby an das menschliche Gesicht, sofern es beweglich ist und aus einer Stirn, zwei Augen und einer Nase besteht. Das Baby lächelt etwa 3 Monate von vorne ins Gesicht. Das Kind erkennt das Gesicht seiner Mutter zwischen 4 und 6 Monaten.

Es gibt die "gute Mutter" und die "schlechte Mutter". Das Kind nimmt sie zunächst als unterschiedlich wahr, bevor es erkennt, dass es sich um dieselbe Person handelt. Die "schlechte Mutter" ist diejenige, die die Befriedigung seiner Wünsche verweigert und auf die er seine Aggressivität richtet. Die "gute Mutter" ist diejenige, die seine Wünsche befriedigt und der er seine Liebe zeigt. Allmählich werden die Frustrationen erträglich, weil sie eine bevorstehende Befriedigung ankündigen. Dieser momentane Verzicht zugunsten der späteren Befriedigung ist der Ursprung des Realitätsprinzips.

Die Mutter ist somit der Treffpunkt gegensätzlicher Aggressions- und Liebesgefühle des Säuglings. Diese Ambivalenz ist obligatorisch, und die Mutter, die versuchen würde, jede Frustration für ihr Kind zu vermeiden, würde zu einem Abhängigkeitszustand führen, der dessen Autonomie behindern würde und ihn daran hindern würde, mit der Realität in Kontakt zu treten.

Die 8-monatige Angst und das Einsetzen von Objektbeziehungen sind leicht zu erkennen. Die Annäherung eines Fremden oder der Weggang der Mutter löst beim Säugling ab ca. 8 Monaten eine Angst-, Rückzugs- und Weinreaktion aus.

Zu Beginn der Angst unterscheidet Spitz 3 Stadien:

  • der physiologische Prototyp der Angsterscheinungen, ein einfacher Spannungszustand.
  • Vermeidungsreaktionen, zwischen 4 und 6 Monaten, bei denen das Kind Angst in einer Situation ausdrücken kann, die es bereits durch eine bestimmte Anzahl von Erfahrungen kennt und deren unangenehmer oder schmerzhafter Natur es aufgezeichnet hat
  • Achtmonatsangst, spezifische intrapsychische Wahrnehmung.

Die Wahrnehmung von „Nein“ ist der nächste Schritt. Sobald das Kind laufen kann, sieht es sich mit einer Vielzahl von Verboten konfrontiert und die „Neins“ vervielfachen sich. Das Kind befindet sich dann in einer heiklen Situation: Es ist hin- und hergerissen zwischen seiner Begierde und dem frustrierenden Verbot, zwischen seiner Mutterliebe und seiner Aggressivität. Er geht eine Kompromisslösung ein und identifiziert sich mit dem Angreifer.

Es ist das Zeitalter des „Nein“, das Aggression unterstützt. Durch Kopfschütteln signalisiert das Kind seinen Mitmenschen, dass es in der Lage ist, zu urteilen, zu leugnen, seinen Willen auszuüben und so seine Persönlichkeit zu bekräftigen.

Die Hauptwerke von René Arped Spitz

  • Von der Geburt bis zum Sprechen. (Das erste Lebensjahr) PUF, Hrsg., Paris, 1968
  • Das Nein und das Ja. PUF ed, Paris, 1962