Vor mehr als 20 Jahren wurde das AIDS-Virus von einem französischen Team identifiziert. Seitdem kämpfen Wissenschaftler auf der ganzen Welt, wer für diese globale Epidemie verantwortlich ist. Von den ersten Behandlungen über die Hoffnung auf einen Impfstoff bis hin zum Erfolg von Dreifachtherapien blicken wir auf zwei Jahrzehnte Forschung zurück, die die Krankheit zurückgehen ließen.

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Heute leben 42 Millionen Menschen auf der Welt mit dem AIDS-Virus und 3,1 Millionen starben im Jahr 2002. Angesichts dieser traurigen Zahl haben Fortschritte in der Forschung es möglich gemacht, die Krankheit zu bekämpfen, auch wenn der Impfstoff schon lange überfällig ist. Der 2. Kongress der International Society on AIDS (IAS), der im Juli 2003 in Paris stattfand, gab Gelegenheit, auf 20 Jahre Forschung zurückzublicken.

1983: Entdeckung von HIV / AIDS

Seit seiner Entdeckung im Jahr 1983 durch das Team von Professor Montagnier haben Wissenschaftler auf der ganzen Welt das AIDS-Virus (HIV) untersucht. Auch wenn er viele Geheimnisse preisgab, ist es bis heute schwierig, dieser Krankheit zu begegnen. Tatsächlich ist HIV kein Virus wie jedes andere. Es greift unsere Immunabwehr an und zerstört T-Lymphozyten, die zu den Soldaten gehören, die unseren Körper vor Infektionen schützen. Ohne einen Teil seiner Armee kann unser Körper nicht mehr gegen opportunistische Krankheiten kämpfen (die die schwachen Abwehrkräfte des Körpers ausnutzen, um sich zu entwickeln und manchmal zum Tod führen). Deshalb ist es so kompliziert, HIV zu bekämpfen: unsere Abwehrkräfte schwer zu mobilisieren, erheblich geschwächt.

Schließlich haben die unaufhörlichen Mutationen dieses so einzigartigen Virus viele Verbindungen wirkungslos gemacht, auch wenn sie in Laborexperimenten vielversprechend sind. Aber verschiedene Fortschritte haben es dennoch möglich gemacht, AIDS zurückzudrängen und Millionen von Menschen Hoffnung zu geben.

Replikationszyklus des AIDS-Virus

Sida

1987: der erste antiretrovirale Wirkstoff

HIV ist eine ganz besondere Mikrobe: Es ist ein Retrovirus. Das heißt, sein genetisches Material liegt in Form von RNA vor, einem Molekül, das der berühmten DNA nahe steht und das Erbe menschlicher Zellen enthält. Um Lymphozyten zu infizieren, muss es daher sein Erbe dank eines bestimmten Enzyms in DNA umwandeln: Reverse Transkriptase.

Dieses virusspezifische Molekül war das Ziel der ersten verfügbaren Behandlungen im Jahr 1987. Diese sogenannten Reverse-Transkriptase-Inhibitoren haben es ermöglicht, die Vermehrung des Virus zu reduzieren und das Niveau der T-Lymphozyten aufrechtzuerhalten und so das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Das erste davon war Zidovudin, besser bekannt als AZT.

1996: die Ankunft der Triple-Therapie

Als die natürliche Geschichte des Virus im Organismus aufgedeckt wurde, erschienen andere Kontrollmöglichkeiten.

Einmal in seine Wirtszelle eingeführt, produziert das Virus viele Proteine, die für die Herstellung neuer Viren notwendig sind. Aber um diese Elemente zu produzieren, braucht man ein Enzym, die Protease, die gewissermaßen den letzten Schliff gibt und die verschiedenen Elemente funktionsfähig macht. Protease-Inhibitoren verhindern diesen letzten Schritt und blockieren die Produktion neuer Viren. So stand ab 1995 der erste Wirkstoff dieser neuen Therapieklasse zur Verfügung: Saquinavir.

Die Behandlung der HIV-Infektion ist seit 1996 auf die Kombination mehrerer Therapien ausgerichtet: Dreifachtherapien (zB eine Kombination aus einer Antiprotease und zwei Reverse-Transkriptase-Hemmern). Diese neuen Ansätze haben die Behandlung der Krankheit revolutioniert, das Virus im Blut nicht mehr nachweisbar gemacht und so das Fortschreiten von AIDS verhindert.

Das Virus wehrt sich

Heute ist die Behandlung von AIDS enorm fortgeschritten. Aber der Kampf ist noch lange nicht gewonnen. Die Triple-Therapie beseitigt das Virus also nicht vollständig: Wird die Behandlung abgebrochen, verlässt es das Reservoir und taucht sofort wieder auf.

Hinzu kommt nun das Problem des Auftretens von Resistenzen. Dank seiner unaufhörlichen und unkontrollierten Mutationen kann das Virus gegenüber einer oder mehreren Verbindungen unempfindlich werden. Nicht weniger als 5 bis 10 % der Patienten versagen auch wegen multipler Therapieresistenz. Sicherlich wurden Fortschritte erzielt, da wir nun das "Profil" des Virus von Fall zu Fall testen können, um zu wissen, auf welche Moleküle es empfindlich ist. Diese vorläufige Diagnose ermöglicht somit eine angepasste Behandlung.

Hervorzuheben sind auch die Nebenwirkungen der Behandlungen, vor allem Anomalien in der Verteilung des Fettgewebes (Lypodistrophie) und ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.

Neue Moleküle

Um die Resistenz- und Nebenwirkungsprobleme zu überwinden, bleibt die Entwicklung neuer Therapien daher unabdingbar. Die neueste dieser Waffen gegen HIV (das T20 - Fuzeon®) ist seit 2003 in den USA und in Europa erhältlich. Diesmal handelt es sich um einen Fusionsinhibitor, ein Molekül, das das Virus angreift, noch bevor es in die Zelle eindringt. Wie der Name schon sagt, verhindert diese Behandlung, dass es mit der Zellmembran verschmilzt, wodurch das Eindringen des Erbguts des Virus verhindert wird.

Dieses Medikament sollte zunächst bei Patienten mit Therapieversagen angewendet werden. Die anderen zu erwartenden Behandlungen sind insbesondere neue Inhibitoren des Eindringens des Virus in die Zelle und andere Antiproteasen. Es wird auch daran geforscht, ein Molekül zu finden, das das Eindringen des genetischen Materials des Virus in den Zellkern infizierter Zellen blockieren kann.

Impfstoff: Hoffnung enttäuscht... vorerst

Das Jahr 2003 markierte leider die Suche nach einem AIDS-Impfstoff. Tatsächlich waren die ersten Ergebnisse der erfolgreichsten Studie in Uganda negativ: Der verwendete Impfstoff bot keinen Schutz vor HIV. Dieses Produkt verwendet jedoch ein Protein auf der Oberfläche des Virus, um die Produktion von Antikörpern (Moleküle, die sich an Eindringlinge im Körper anlagern können, um deren Zerstörung zu unterstützen) zu bewirken. Viele Spezialisten sind sich heute jedoch einig, dass dieser Ansatz allein das Virus nicht ausrotten kann. Es muss uns gelingen, die Abwehrkräfte des Körpers zu aktivieren, die in der Lage sind, das im Herzen der Zellen verborgene Virus anzugreifen. Deshalb verwenden die heute getesteten Impfstoffe HIV-Gene, die von Vektoren getragen werden, eine Art "falsches" Virus. Andere Studien verwenden Moleküle, die für die Stimulierung des Immunsystems verantwortlich sind.

Schließlich zielen mehrere Studien darauf ab, einen therapeutischen Impfstoff herzustellen, dessen Ziel nicht darin besteht, vor einer Infektion zu schützen, sondern das Virus bei seropositiven Menschen zu bekämpfen. So können wir das Einsetzen der charakteristischen Krankheitssymptome verzögern oder den Einsatz von antiretroviralen Medikamenten einschränken... aber bis heute ist es keinem Patienten gelungen, das Virus nach einer Infektion zu eliminieren.

Derzeit laufen weltweit mehr als 20 Studien, um einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln. Eine davon wird vielleicht die begehrte Waffe sein, um mehr als 20 Jahre Epidemie zu beenden. In der Zwischenzeit dürfen die Behandlungen die Vorbeugung nicht vergessen. In Frankreich gelten 40.000 Menschen als Träger des Virus, ohne es zu wissen, und jedes Jahr sind 600 Todesfälle darauf zurückzuführen. Bis heute wird alle menschliche Weisheit in diesen beiden Worten sein: Warten und hoffen...