„Ein Kind, wenn ich will, wenn ich will", proklamierten die Feministinnen der 1970er Jahre. Heute scheint dieser Anspruch von den beiden Partnern des Paares auszugehen und der Kinderwunsch als natürliches Bedürfnis in Anspruch genommen zu werden. Ein Rückschlag bei seiner Verwirklichung scheint ein Fehlschlag zu sein. Wenn Liebe und Enthusiasmus nicht ausreichen, um dieses Projekt zu verwirklichen, kann sich das Paar dann der Wissenschaft oder Adoption zuwenden.

Heutzutage scheint es ein weit verbreitetes Recht zu sein, ein Kind zu bekommen, wenn man es will. Liebesbeweise, die dem Ehepartner angeboten werden, ein Kind zu bekommen, als Eltern zu gedeihen, so viele sich überschneidende oder individuelle Motivationen, die den Kinderwunsch charakterisieren.

Eine Familie zu gründen scheint heute für manche der Erfolg ihres Lebens zu sein, aber manchmal machen das Schicksal oder die Biologie die Magie der Geburt unzugänglich. Die Unfähigkeit zu gebären wird wie ein Test. Angesichts einer solchen Notlage können sich Wissenschaft und Adoption als die Lösung erweisen.

Adoption oder medizinisch unterstützte Fortpflanzung?

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Eine 1998 von SOFRES für die Zeitschrift Eureka durchgeführte Umfrage * zeigte einige Unterschiede in der Haltung gegenüber dem Rückgriff auf medizinisch unterstützte Fortpflanzung (MAP) und Adoption auf. Bei den Jüngsten (15-24 Jahre) und bei den Älteren (über 50) ist die Adoption im Geiste von Altruismus und Großzügigkeit beliebt.

Paradoxerweise bevorzugt die Altersgruppe, die am unmittelbarsten vom Kinderwunsch betroffen ist (25-34 Jahre), ART-Techniken. Ebenso schienen Frauen für eine Adoption weniger günstig zu sein als Männer.

Ein Kind für eine Familie... und umgekehrt

Die Adoption kann eine bewusste Entscheidung sein, die nichts mit einem Unfruchtbarkeitsproblem zu tun hat, sondern in Bezug auf ein Gefühl von Altruismus. Es kann auch nach mehreren Fehlschlägen der medizinisch unterstützten Fortpflanzung in Betracht gezogen werden.

Die Adoption kann aus Sicht der Erwachsenen als eine Form der assistierten Reproduktion angesehen werden. Aus der Sicht des Kindes bekräftigt es das Recht des Kindes auf eine Familie (von der Haager Konferenz anerkanntes Recht). Das „wunderbare Abenteuer Adoption“ ist aber auch mit administrativen und regulatorischen Fallstricken übersät, die vom Wunsch des ungeborenen Kindes weit entfernt erscheinen mögen.

Für diese beiden Möglichkeiten ist der Kinderwunsch, wenn er eine notwendige Bedingung darstellt, dennoch keine hinreichende Bedingung.

Die Gefahren einer in den Rang einer natürlichen Moral erhobenen Soziobiologie

Ohne die gesellschaftliche Korrektheit der altruistischen Adoption zu verherrlichen, ist die Denkweise, die sich auf eine universelle Naturmoral bezieht, nach der die Fortpflanzung in der Weitergabe der eigenen Gene besteht, sehr beunruhigend. Es ist dieser Trend, der den Vater eines durch künstliche Befruchtung mit Spendersamen geborenen Kindes dazu veranlassen wird, sich seiner Vaterschaft zu versichern. Ebenso wird die intrazytoplasmatische Injektion von sauberem Sperma (ICSI) gegenüber der künstlichen Befruchtung mit Spendersamen zunehmend bevorzugt.

Diese intellektuelle Vereinfachung reduziert die Motivationen des Menschen auf eine einfache Arterhaltung, die Fortpflanzung auf die alleinige Weitergabe seiner Gene. Die Weitergabe von Wissen und Kultur, die Erziehung und Entwicklung des Kindes sind allesamt Beweise für die Vaterschaft, die Blutsbanden weit überlegen sind.

Professor Axel Kahn schreibt in seinem Werk „Was ist mit dem Menschen in all dem? von der Wahrheit biologischen Ursprungs gäbe es keine Erlösung".

* Eurêka, Sonderheft 1998, In-vitro-Fertilisation, Bayard Presse